
«Es wird ein Abend voller Premieren!»
Sào Soulez Larivière im Gespräch mit Andreas Müller-Crepon über sein Konzert mit der Academy St Martin in the fields vom 10. April in der Tonhalle Zürich.
Sào Soulez Larivière, Sie haben Ihren Weg mit der Geige begonnen – wissen Sie noch, welche Musik Sie endgültig zur Bratsche „bekehrt“ hat, so dass sie die Geige zur Seite legten?
Das ging nicht von einem Moment auf den anderen. Aber vielleicht war es bei einem Kammermusik-Projekt, dem f-moll Klavierquintett von César Frank. Das hat mich darin bestärkt, die Viola als mein Hauptinstument zu wählen.
Was ist Ihre Geschichte mit Mozarts Musik?
Ich habe Mozart kennengelernt, als ich noch Geige spielte. Eine oder zwei seiner Violinsonaten habe ich gespielt. Es war eine Art von Tür zur Musik der Klassik.
Wie gehen Sie heute an Mozart heran?
Ich spiele sehr viel Kammermusik von ihm und bemerke wirklich einen Unterschied zu seinen Zeitgenossen oder der nächsten Generation, zum Beispiel Beethoven. Mozart hat in seiner Musik etwas Kindliches bewahrt, eine Art Unschuld, die man sonst kaum findet. Ich denke, Kindern fällt es leichter, Mozart unbeschwert zu spielen. So sollte es sein. Wir Erwachsenen kümmern uns zu sehr um die Details, machen uns unnötigen Ärger damit. Mozarts Musik spielt sich fast wie von selber, man muss sich ihr anvertrauen.
Er hat kein Solokonzert für die Bratsche komponiert. Nehmen Sie ihm das übel?
Das ist natürlich schade! Aber dafür haben wir die Sinfonia concertante, die praktisch an jedem Musikfestival im Programm auftaucht, weil sie eines seiner besten Werke ist. Das Publikum liebt es sie einfach – und ich natürlich auch!
Haben Sie ihre Solo-Partnerin für das Orpheum Konzert schon einmal getroffen? Sie studiert ja auch in Kronberg.
Ich habe sie dort schon gesehen, ja, aber noch nie mit ihr zusammen gespielt. Es ist unsere erste Gelegenheit, gemeinsam zu musizieren. Ich bin sehr gespannt darauf. Man entdeckt so viel dabei. Ich habe die Sinfonia concertante schon öfter gespielt und freue mich auf neue Impulse, neue Ideen.
Sie werden von der Academy of St Martin in the Fields begleitet. Wie wird es sein, dieses Stück ohne Dirigenten aufzuführen?
Ich kenne das Orchester natürlich von Aufnahmen her, habe es aber noch nie im Konzert gehört. Immerhin bin ich durch meine Ausbildung vertraut mit der englischen Kultur. Es ist einfach anders, die Sinfonia concertante ohne Dirigentin oder Dirigent zu spielen – man muss viel genauer aufeinander hören, Acht geben darauf, was die Partnerin oder die Orchesterstimmen gerade machen.
Ihr musikalischer Traum: Eine Solisten-Karriere oder ein eigenes Streichquartett..?
Wissen sie, ich glaube nicht an diese Kategorien, ich möchte „Musiker“ sein! Musik machen sollte immer als Dialog passieren, als Austausch von Energie. Sei es zwischen uns Musikerinnen und Musikern, oder zwischen uns und dem Publikum. Einander zuhören, darauf kommt es an!
Wie nehmen sie die besondere Förderung der Orpheum Stiftung wahr?
Es ist eine grossartige Gelegenheit für mich. Ein wundervoller Saal, in dem ich noch nie gespielt habe, eine neue Solistin als Partnerin in der Sinfonia concertante, und ein – für mich – neues Orchester. Es wird ein Abend voller Premieren!